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30.11.2007

Ein Drittel des Etats gehört der Bildung

Roland Gast

Es scheint für den Menschen typisch zu sein, die Vergangenheit so zu deuten, dass er sich selbst darin wieder findet. Das 19. Jahrhundert zum Beispiel war eine Zeit, in der die Nationalstaaten erstarkten, immer mehr Macht an sich rissen und neben sich schließlich nichts mehr gelten ließen. Als die damaligen Geschichtswissenschaftler die Zeit um 1650-1750 untersuchten, stießen sie auf eine gewisse Zentralisierung der Macht in der Person des Königs. Also war es für sie nur logisch, dorthinein das zu lesen, was sie selbst tagtäglich erlebten. Sie tauften diese Zeit „Absolutismus" - obwohl die damaligen Herrscher ohne ihnen wohl gesonnene Funktionseliten überhaupt nicht herrschen konnten. Eigentlich waren sie alles andere als absolut - gerade verglichen mit dem Nationalstaat.  

 

Der heutige Mensch scheint da nicht besser zu sein. Ein Beispiel: wann genau die ersten Menschen nach Amerika kamen, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Überwiegend scheint die Fachwelt allerdings davon auszugehen, dass sie vor ca. 15.000 bis 11.500 v. Chr. über die in einer Eiszeit zugefrorene Beringstraße nach Nordamerika wanderten. Auf jeden Fall starben wenig später weit verbreitete Tierarten wie Mammuts, Pferde, Wollnashörner, Riesenfaultiere oder auch Säbelzahntiger aus. Plötzlich waren sie nicht mehr da. Was man dafür findet, sind unterarmlange Speerspitzen in Massen.  

 

Heutzutage gibt es das weit verbreitete Bild des Menschen, der sich durch seine Gier selbst und tragisch zerstört. Natürlich sehen da viele in einem solchen Vorkommnis einen klaren Zusammenhang. Die Urindianer sollen die Tiere ausgerottet haben: „Wie könnte es auch anders sein? Sehen wir selbst nicht tagtäglich das Gleiche?" Mehr noch: die Geschichte der Ureinwohner Amerikas gibt gleichzeitig auch Anlass zu Hoffnung. Denn nach dem Massensterben der Großtiere stabilisierte sich die Lage. Die Büffel wenigstens überdauerten. Die Indianer der Prärie respektierten und verehrten sie wie die ganze Natur. Also mussten die sich geändert haben - „Genau wie wir uns heute ändern müssen!"  

Aber das Zusammenfallen zweier verschiedener Ereignisse heißt noch lange nicht, dass sie zusammen hängen. Ein Beispiel: in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gingen sowohl die Zahl der Störche als auch die der Geburten stark zurück. Bringt „Gevatter Adebart" also doch die Kinder? Rein logisch ist die dargestellte Behauptung also nichts weiter als eben das: eine Behauptung, eine These. Und dass sie trotzdem heute so freudig als „eindeutig" aufgenommen wird, gerade außerhalb der Fachwelt, macht stutzig. Es scheint ganz einfach so zu sein, dass viele vom Menschen als Selbstzerstörer hören oder lesen wollen. Ungefähr so wie im Fall der Osterinseln: deren Bewohner zerstörten ihre Umwelt durch überzogene Rodung. Als sie den Fehler bemerkten, gab es kein Holz mehr, um in Booten zu fliehen.  

 

Jetzt ist es natürlich nicht verwerflich, sich über den menschlichen Umgang mit der Umwelt Gedanken zu machen. Im Gegenteil! Aber zu oft wird auf dabei festgestellte Missstände die gleiche Antwort gegeben: zurück zu „Mutter Natur". Und auch hier sind die Indianer wieder sehr beliebt. Ihr zumindest heute immer wieder behaupteter Respekt für die Natur soll für uns Vorbild sein. Genau so wie sie müssen wir für alles, was wir nehmen, etwas zurückgeben. Aber wir sind keine Jäger und Sammler. Ist es nicht vielmehr so, dass aus dem Bild des Alleszerstörers auch die Angst vor jeglicher Unsicherheit spricht? Es ist bemerkenswert, wie sehr sich viele nach absoluter Sicherheit sehnen, nicht nach den Chancen, sondern nur den Risiken des Neuen fragen. Fehlschläge darf es nicht mehr geben! Haben es da die Indianer nicht genau richtig gemacht? Wer nur nimmt, was die Natur ohnehin abgibt, kann ja nichts riskieren. Vielleicht ist dieser Lebensstil deswegen so beliebt: ein Leben ohne was uns plagt.  

 

So können sich die Dinge ändern: früher sehnte man sich nach dem Land, in dem Milch und Honig fließen. Später gab es „Milchseen" und „Butterberge". Sollte demnächst ein Asteroid auf die Erde zurasen, hätten wir vielleicht sogar eine Chance, ihn aufzuhalten. Aber man spricht vom „edlen Wilden". Nur warum? Was soll eigentlich so toll daran sein, Frauen nicht zu fragen, ob sie Kinder möchten? Oder mit wem? Und dass sie in der freien Natur im Kindbettfieber jämmerlich verrecken können? Genau wie bei einer Blinddarmentzündung. Von Zähnen ohne jede Pflege mal ganz zu schweigen.  

 

Auch Veränderung gibt es immer. Oder Risiken. Und man meistert sie nicht durch Abschottung: auf alles, was die Menschheit heute vorweisen kann, kommen unzählige Fehlschläge. Wer ein neues Werkzeug zur Verfügung haben möchte, um eine Gefahr zu bannen, muss es immer erst testen. Niemand weiß, welche Herausforderungen die Zukunft bringen wird. Aber eins ist sicher: wir werden es bitter bereuen, wie der Bund seit Jahrzehnten seine Prioritäten setzt. Während er letztes Jahr 160 Mrd. Euro für Zinsen, Renten und Sozialversicherung ausgegeben hat, gab er nur 8 Mrd. Euro in die Forschung. Und nicht umgekehrt. Wenn uns etwas zugrunde richtet, dann diese Einstellung.  

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"No man has a natural right to commit aggression on the equal rights of another, and this is all from which the laws ought to restrain him."

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