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Der gesunde Volkszorn

Roland Gast

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell Unternehmens- und Bankenverbände die Reihen der Staatsbefürworter verstärkt haben, als es darum ging, zu beschwören, wie schlimm die Krise doch ist? Immer schön nach dem Motto: Wenn es nur alle lange genug sagen, kann es nicht falsch sein. Aber gut, wen wundert das? Es ist ja kein großes Geheimnis, dass in vielen Unternehmen erst dann grundlegende Veränderungen machbar sind, wenn die Verlierer einsehen, dass sich die Dinge einfach ändern müssen.  

 

Vor diesem Hintergrund dürften auch die neuesten linken Heldentaten an der Medienfront zu verstehen sein. Herr Lafontaine wünscht sich, auch in Deutschland Manager eingesperrt zu sehen. Herr Sommer warnt vor einem nicht zu beherrschenden sozialen Gebräu. Frau Schwan beschwört die Wut der Menschen, die sich schon im Sommer zeigen könnte.  

Leider wollten die Leute da eigentlich in Urlaub fahren. Es liegt natürlich nicht fern, anzunehmen, dass der ausgemergelte Bundesbürger ausgerechnet in Mallorca, Antalya oder am Ostseestrand auf die Idee kommt, Barrikaden zu errichten. Strandkorbeigentümer sollten sich dies zu Herzen nehmen: einmal falsches Wechselgeld an der Pommesbude, und wir haben Zustände wie bei der Vesper von Ephesos.  

 

Welcher Methode bedienen sich diese Leute eigentlich? Gehen wir einmal zurück in das Deutschland von 1932. Da gibt es tatsächlich interessante Parallelen zu heute. Anders, als man oft glauben mag, hätte die NSDAP ohne die Unterstützung etablierter Kräfte niemals an die Macht kommen können: Industrie, Militär, Beamte, Gewerkschaften, Kirchen. Daher auch der berühmt-berüchtigte Ausspruch von Papens, Hitler „in die Ecke zu drücken, dass es quietscht". Reichskanzler Hitler verstärkten im Januar 1933 zunächst ja nur zwei weitere Nationalsozialisten in der Regierung. Einer davon, Hermann Göring, hatte anfangs noch nicht mal einen eigenen Geschäftsbereich.  

 

Das Interessante ist dabei, wie gut es der NSDAP gelang, eben diese Abhängigkeit zu verschleiern. Im Vorfeld der ‚Machtergreifung' nutzte sie dafür eine bestimmte Taktik. So simpel es klingt: Sie schaffte Chaos. Und bot sich dann als Retter an.  

Die SA sollte das Land mit ihrem ‚braunen Terror' einfach unregierbar machen. Zugegeben: Uniformierte Verbände unterhielten damals so gut wie alle, sogar die SPD. Und gewalttätig wie die SA waren davon eine ganze Menge. Doch die SA überragte alle. Als die Nazis an die Macht kamen, gehörten ihr 400.000 Männer an - viermal so viel wie der Reichswehr. Nach außen verkauften die Nazis ihre SA erst als Drohkulisse. Hitlers Angebot an die Konservativen, die ihn an die Macht brachten, war ganz einfach: Entweder die SA macht mich zum Reichskanzler oder ihr. Als das passiert war, war sie Heilsbringer: Wie sollte man der Verhältnisse Herr werden, wenn nicht mit einer straff geführten Truppe?  

 

Was lehrt uns das heute? Nein, sicherlich nicht, dass Herr Sommer ein Neonazi sei. Vielmehr, dass es nur funktionieren konnte, wenn alle Beteiligten die Illusion kauften, an die sie glauben sollten: Die Lage ist außer Kontrolle. Natürlich: Frau Schwan möchte Bundespräsidentin werden und nicht Oberbefehlshaberin der Wehrmacht. Herr Sommer kämpft gegen Mitgliederschwund und gewerkschaftliche Bedeutungslosigkeit in der postindustriellen Welt. Und Herr Lafontaine muss sich gegen die SPD abgrenzen.  

Doch ist allen drei sehr wohl bekannt, dass das seit knapp 40 Jahren von ihnen gepredigte System bankrott ist. Wie sie es seit Ende der 1960er vorhersehen konnten. Das der traditionellen Klientel einzugestehen, traut sich nur noch keiner. Da kommt Krise gerade recht: (notwendige) Reformen. Ja, seid ihr des Wahnsinns?  

 

Diese drei Befürworter des Sozialstaats der 1970er sind an einem Punkt angekommen, in dem sie sich nur noch mit dem Überleben der Demokratie verteidigen können: Entweder, ihr lasst die Finger vom Anspruchsdenken der Leute, oder hier geht alles den Bach runter!  

Also: Spielen wir hier nicht mit, indem wir die Definition von Krise annehmen, die uns diese Leute anbieten. Sehen wir es doch mal anders: In welcher schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren waren denn Lebensmittel jemals so billig? Es kann sich wirklich jeder an Fett, Proteinen und Zucker zu Tode fressen - heute zynisch, früher noch Privileg des Adels. Merke: Verlieren deutsche Exportunternehmen aktuell 15 % ihrer Umsätze, sind sie meist immer noch dort, wo sie 2003-06 schon einmal waren. Ja, haben wir denn damals um unsere Existenz gebangt?  

 

Wir sollten uns besser fragen, wie wir unseren Staat so umgestalten können, dass er Rentnern und Beitragszahlern ein Leben in Würde bieten kann, ohne dabei pleite zu gehen. Und das möglichst, bevor der Durchschnittswähler 60 wird.  

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Thomas Jefferson (1743-1826)

"I would rather be exposed to the inconveniences attending too much liberty than to those attending too small a degree of it."

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