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07.03.2007

Wie angelt man sich einen Millionär - IUF Kommentar 7/07

Gastkommentar - Dr. Susanne Schmidt

Die Geschichte klingt schändlich: drei attraktive Frauen wollen ihrem wirtschaftlichen Schicksal entrinnen und kaufen sich mit ihrem letzten Geld in ein Appartement ein. Nachdem sie die wertvollen Räume in bester Lage von New York bezogen haben, verkaufen sie Stück für Stück die teure Einrichtung, um mit Hilfe der liquiden Mittel Männer an Land zu ziehen, die vermögend sind. Die armen reichen Gesellen sollen durch eine kurzfristige Heirat und noch kurzfristigere Scheidung finanziell in die Knie gezwungen werden.

Das zunächst unmoralisch erscheinende Szenario war ein Kassenschlager in den 1950ern. Frauen in den USA ebenso wie in Europa hätten gerne dem Vorbild nachgeeifert und wollten ebenfalls durch vermögende Heirat reich werden. Was im Fall von drei blonden Frauen als reizvoll und charmant erscheint, wirkt bei professionellen Unternehmungen schändlich und habgierig. Niemand wäre auf die Idee gekommen Marilyn Monroe, Lauren Bacall und Betty Grable Insektennamen zu geben, bloß weil sie die akquirierten Wertgegenstände versilbern. Niemand hätte ihnen Raubrittertum und rücksichtsloses Ausschlachten zum Vorwurf gemacht, weil sie an der renditeträchtigen Strategie festgehalten haben. Im Gegenteil, der Film „How to marry a millionaire?" wurde für einen Oscar nominiert - wegen seiner schönen Ausstattung.  

Nun erscheinen die Parallelen zwischen Finanzinvestoren und aufreizenden Blondinen weit hergeholt, aber der Plot des Films findet durchaus weltweit erfolgreiche Wiederholung - als Ergebnis freiwilliger Entscheidungen. Im Oscar-verdächtigen Film ebenso wie in der realen Welt begeben sich die Beteiligten freiwillig in eine Partnerschaft von der sich beide Seite Vorteile versprechen. Im Hollywood-Streifen wie im richtigen Leben suchen die Partner nach finanzieller Unterstützung und hohen Renditen. Der wirtschaftliche Erfolg ist das gemeinsame Ziel, auch wenn die Vorstellungen über den Weg dorthin verschieden sein können.  

Im Film - ebenso wie im Leben - kommt es dann doch anders als erwartet. Die Eine heiratet einen Ranger, die Zweite denkt, dass sie einen Tankwart heiratet, der jedoch ein Millionär ist und Marilyn Monroe geht mit einem Steuerflüchtling auf die Reise. Viele Finanzinvestoren sehen sich mit schwerwiegenden Umstrukturierungsmaßnahmen konfrontiert, müssen Entlassungen vornehmen, um die finanzielle Solidität und die Marktposition der Unternehmen zu sichern und können in jedem Fall die notwendigen Renditeziele nur dann realisieren, wenn sie nach streng betriebswirtschaftlichen Kriterien agieren. Nicht selten ist das Management für die konsequente Unterstützung dankbar, die sie von gewerkschaftlich dominierten Aufsichtsräten und kurzfristig orientierten Aktionären in der Regel nicht erhalten.  

Und eine letzte Parallele gibt es zum Film. Denn entgegen der Absicht, kurzfristig durch die Millionen-Heirat einzucashen, verlieben sich alle drei Blondinen und bleiben länger, viel länger als beabsichtigt. Genauso wie nicht wenige Finanzinvestoren.  

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Freiherr vom Stein (1829)

"Die vollkommene geistige und sittliche Bildung eines Volkes besteht in der Bildung der einzelnen Menschen, in der politischen Entwicklung des ganzen Staats zur politischen, gesetzlichen Freiheit."

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