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13.03.2007

Feuilleton-Moral - IUF Kommentar 8/07

Sascha Tamm, IUF

Bill Gates hat viel Geld. Einen großen Teil davon hat er in eine Stiftung eingezahlt, die jetzt mehr oder weniger sinnvolle Projekte in aller Welt fördert. Wen und was seine Stiftung unterstützt, entscheiden er, seine Frau und einige weitere Mitglieder des Boards der Stiftung. An ihren Entscheidungen kann natürlich öffentlich Kritik geübt werden, zumal sie ja selbst öffentliche Wirkung anstreben. Das ist nicht das Problem.

Ein Problem ist aber, dass einige, oft ziemlich kleine Gruppen es geschafft haben, die öffentlichen Moralvorstellungen - oder wenigstens die veröffentlichten, fast zu monopolisieren. Die Kritik erfolgt oft von einem „moralischen" oder gar „ethischen" Standpunkt. So geschehen vor einiger Zeit z.B. in einem Artikel im FAZ-Feuilleton. So wird Bill Gates vorgehalten, dass seine Stiftung in Ölförderunternehmen oder bestimmte Nahrungsmittelkonzerne oder gar Pharmaunternehmen investiert. Da wird irgendein Unternehmen von einer Gruppe, wie etwa Greenpeace oder PETA, für etwas verantwortlich gemacht, und schon gilt es als unethisch. Diejenigen, die Produkte, Handlungen, Investments mit Aufkleber wie „ethisch" oder „unethisch" versehen, beziehen ihre moralische Kompetenz oft aus der natürlichen Sympathie, die ihnen als den kleinen, aber aufrechten Kämpfern gegen die Geldgier der Großkonzerne entgegengebracht wird. Doch das ist kein sinnvolles moralisches Argument - auch dann nicht, wenn man die großen wirtschaftlichen Interessen außer Acht lässt, die die sogenannten NGOs heute selbst haben und die sie bedienen. Leider folgen große Teile der öffentlichen Haushalte - von der Entwicklungspolitik bis zum Gender-Mainstreaming und der Verhinderung gentechnischer Forschung - ihrer Logik. Da ist es gut, dass es große Vermögen in Privathand gibt. Bill Gates hat die Moral nicht gepachtet, aber die neuen Verwalter der öffentlichen Moral ebenfalls nicht.  

Kenntnis der Fakten ist übrigens gewöhnlich auf dem Feld der öffentlichen Gebrauchsethik nicht notwendig. Da wundert es dann auch nicht, dass der Autor des besagten Artikels in der FAZ Warren Buffett als „Finanzjongleur" bezeichnet, bei dem niemand mehr frage, wie er zu den Milliarden gekommen sei, die er jetzt in Gates' Stiftung eingebracht hat. Da kann man nur raten, die Geschäftsberichte zu lesen und sich über die - überwiegend erfolgreichen, aber immer langfristig angelegten Investitionen - von Buffets Unternehmen zu informieren. Aber das ist sicher unter der Würde der Verteidiger der Moral.  

 

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